Liebe sei nichts anderes als Oxytocin, sagen manche. Und doch spürt man: Liebe ist nicht nur Chemie, Biologie und Physik. Da ist mehr. „Die Psychoanalyse lässt sich nicht messen“, sagen manche. Der Grund ist genau der: Dass sich Liebe ebenso wenig „messen“ und festhalten lässt wie eine Kommunikation von „Unbewusst zu Unbewusst“. In der engen Beziehung zwischen Psychoanalytiker und Patient passiert viel. (Text & Bild: © Dunja Voos)
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Die Psychoanalyse bewirkt dann viel, wenn der Analytiker fühlt, was mit dem Patienten geschieht und wenn der Patient fühlt, dass der Analytiker ihn wirklich emotional verstanden hat. Am besten gelingt dies, wenn der Analytiker in einem tranceähnlichen Zustand ist, der sogenannten „Reverie“. Auch der Patient kann in einen tranceähnlichen Zustand kommen, wenn er frei assoziiert.
Verhaltenstherapie erinnert im Gegensatz zur Psychoanalyse an messbare Physik
Während die Verhaltenstherapie „bodenständig“ erscheint und sich messen lässt, weil sie vorrangig mit bewusstem Denken zu tun hat, bewegt sich die Psychoanalyse hier eher in einem schwer zu beschreibenden Bereich. Vielleicht könnte man sagen: Verhaltenstherapie ist Physik und Psychoanalyse ist Quantenphysik: Sobald man die Psychoanalyse beobachten möchte, verändert sich schon etwas.
„Es passiert“
In der Psychoanalyse geht es um das Unbewusste, um die Bereiche im Leben, in denen es an Worten fehlt. Es geht um das, was wirksam wird, wenn man aufhört zu tun, zu machen, wenn man aufhört, „selbstbestimmt“ und aktiv zu sein. Der Patient fühlt sich in der Psychoanalyse häufig so, wie er sich (wahrscheinlich) als Baby und Kleinkind fühlte: abhängig und hilflos. Doch er „bekommt“ etwas vom Psychoanalytiker und er durchleidet erneut seine Leiden, doch diesmal bewusst und diesmal wird er gehalten. So kommt Veränderung zustande – häufig alleine dadurch, dass der Patient sich nicht mehr alleine, sondern endlich verbunden fühlt. Er muss nicht mehr weglaufen vor seinem Schmerz, sondern kann ihn fühlen. Umgekehrt wird auch der Analytiker vom Patienten beeinflusst, sodass man als Analytiker manchmal sagen möchte: „Ich hatte heute schon eine gute Analyse-Stunde bei meinem Patienten.“
„Nicht wenige Analytiker fangen damit an, die Beziehung zwischen den mystischen Entdeckungen der Quantenphysik und bestimmten Erfahrungen zu sehen: Es sind diese unheimlichen Momente tiefer Verbindung, die an Telepathie oder Hellsehen erinnern.“
Zwei Teile reagieren gleich
Anthony Bass erzählt von Begebenheiten mit Patienten, die an Telepathie erinnern und vergleicht sie mit zwei verschränkten Protonen, die gleich reagieren, auch wenn sie weit voneinander entfernt sind. („Von Verschränkung spricht man, wenn zwei einzelne Quantenobjekte auf bestimmte Weise miteinander verbunden sind.“ Quelle: Patrick Bronner, Mai 2008, Uni Erlangen-Nürnberg, Quantumlab). Zum Vorschein kommt diese enge Verbindung häufig an entscheidenden Punkten des Lebens, z.B. bei Tod, Krankheit oder Geburt eines Angehörigen des Analytikers – oder eben auch des Patienten. Ich bin gespannt, wie sich das Ansehen der Psychoanalyse mit Fortschreiten der Wissenschaft verändert.
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