Quantcast
Channel:
Viewing all articles
Browse latest Browse all 641

Psychoanalyse und Quantenphysik: Wenn sich zwei „Teilchen“ wirklich nahe sind

$
0
0

psychoanalyse_und_quantenphsikLiebe sei nichts anderes als Oxytocin, sagen manche. Und doch spürt man: Liebe ist nicht nur Chemie, Biologie und Physik. Da ist mehr. „Die Psychoanalyse lässt sich nicht messen“, sagen manche. Der Grund ist genau der: Dass sich Liebe ebenso wenig „messen“ und festhalten lässt wie eine Kommunikation von „Unbewusst zu Unbewusst“. In der engen Beziehung zwischen Psychoanalytiker und Patient passiert viel. (Text & Bild: © Dunja Voos)

Zulassen

Die Psychoanalyse bewirkt dann viel, wenn der Analytiker fühlt, was mit dem Patienten geschieht und wenn der Patient fühlt, dass der Analytiker ihn wirklich emotional verstanden hat. Am besten gelingt dies, wenn der Analytiker in einem tranceähnlichen Zustand ist, der sogenannten „Reverie“. Auch der Patient kann in einen tranceähnlichen Zustand kommen, wenn er frei assoziiert.

Verhaltenstherapie erinnert im Gegensatz zur Psychoanalyse an messbare Physik

Während die Verhaltenstherapie „bodenständig“ erscheint und sich messen lässt, weil sie vorrangig mit bewusstem Denken zu tun hat, bewegt sich die Psychoanalyse hier eher in einem schwer zu beschreibenden Bereich. Vielleicht könnte man sagen: Verhaltenstherapie ist Physik und Psychoanalyse ist Quantenphysik: Sobald man die Psychoanalyse beobachten möchte, verändert sich schon etwas.

Tiefe Erfahrungen sind schwer messbar. Es ist sehr schwierig, den Orgasmus zu erforschen: Wenn man ein Pärchen ins MRT steckt, wird dadurch schon vieles gehemmt und verfälscht.

„Es passiert“

In der Psychoanalyse geht es um das Unbewusste, um die Bereiche im Leben, in denen es an Worten fehlt. Es geht um das, was wirksam wird, wenn man aufhört zu tun, zu machen, wenn man aufhört, „selbstbestimmt“ und aktiv zu sein. Der Patient fühlt sich in der Psychoanalyse häufig so, wie er sich (wahrscheinlich) als Baby und Kleinkind fühlte: abhängig und hilflos. Doch er „bekommt“ etwas vom Psychoanalytiker und er durchleidet erneut seine Leiden, doch diesmal bewusst und diesmal wird er gehalten. So kommt Veränderung zustande – häufig alleine dadurch, dass der Patient sich nicht mehr alleine, sondern endlich verbunden fühlt. Er muss nicht mehr weglaufen vor seinem Schmerz, sondern kann ihn fühlen. Umgekehrt wird auch der Analytiker vom Patienten beeinflusst, sodass man als Analytiker manchmal sagen möchte: „Ich hatte heute schon eine gute Analyse-Stunde bei meinem Patienten.“

Der Psychoanalytiker Anthony Bass schreibt in seinem Beitrag: „Whose Unconscious Is It Anyway?“ („Wessen Unbewusstes ist das hier eigentlich?“): „A number of analysts are beginning to consider the relationship between uncanny moments of deep connection that evoke a sense of telepathic or clairvoyant linkage and the equally and similarly mystifying discoveries in quantum science.“ (Psychoanalytic Dialogues, 2001, 11: 683-702).
„Nicht wenige Analytiker fangen damit an, die Beziehung zwischen den mystischen Entdeckungen der Quantenphysik und bestimmten Erfahrungen zu sehen: Es sind diese unheimlichen Momente tiefer Verbindung, die an Telepathie oder Hellsehen erinnern.“
Bach’s „Johannespassion“ sind Noten, schwarz auf weiß. Die Klänge und die Gefühle sind damit verbunden und doch losgelöst. Ohne Orchester und Zuhörer wären die Noten nichts wert. Ohne Noten aber könnten diese wunderbaren Gefühle nicht entstehen.

Zwei Teile reagieren gleich

Anthony Bass erzählt von Begebenheiten mit Patienten, die an Telepathie erinnern und vergleicht sie mit zwei verschränkten Protonen, die gleich reagieren, auch wenn sie weit voneinander entfernt sind. („Von Verschränkung spricht man, wenn zwei einzelne Quantenobjekte auf bestimmte Weise miteinander verbunden sind.“ Quelle: Patrick Bronner, Mai 2008, Uni Erlangen-Nürnberg, Quantumlab). Zum Vorschein kommt diese enge Verbindung häufig an entscheidenden Punkten des Lebens, z.B. bei Tod, Krankheit oder Geburt eines Angehörigen des Analytikers – oder eben auch des Patienten. Ich bin gespannt, wie sich das Ansehen der Psychoanalyse mit Fortschreiten der Wissenschaft verändert.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Psychoanalyse und Hypnose: Psychoanalyse ist Arbeiten in Trance
Seelenteilchen
Psychoanalyse und Telepathie
Harold Searles: Der psychoanalytische Beitrag zur Schizophrenieforschung
Malignes Introjekt – wie kann ich mir das vorstellen?
Warum es so schwierig ist, Erfolge in der Psychoanalyse zu messen
Intuition – wie sehr kann ich ihr trauen?
Neville Symington: The Psychology of the Person
Psychoanalytische Technik nach Bion


Viewing all articles
Browse latest Browse all 641