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Widerstand (englisch: Resistance)

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widerstand_rainer_sturmSigmund Freud bezeichnete die Aktionen des Patienten, die das Weiterkommen in der Psychoanalyse verhindern, als Widerstand. Wenn Patienten „Widerstand leisten“, dann tun sie das meistens aus Angst. Wer in der Psychoanalyse seinen unbewussten Neid oder seine Scham nicht spüren möchte, der beginnt, belanglose Dinge zu erzählen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio)

Stillstand

Dieses Erzählen von belanglosen Dingen ist ein Widerstand, denn der Therapeut kann damit nichts anfangen und die Entdeckung der Ängste, der ungewollten Gefühle und Phantasien wird somit zunächst unmöglich. Die Arbeit stockt, der Patient kommt nicht weiter und erhält seine Störung an diesem Punkt aufrecht. Der Psychoanalytiker kann aber zusammen mit dem Patienten über den Widerstand sprechen und versuchen, ihn zu verstehen (Widerstandsanalyse).

Erstmals erwähnt wurde der „Widerstand“ von Sigmund Freud und seinem Kollegen Josef Breuer in den Jahren 1893-1895

Formen des Widerstands

Ich-Widerstand: Hier will sich das „Ich“ bewusst oder unbewusst vor unangenehmen Affekten schützen und leistet Widerstand vor einer Aufdeckung. Beispiel: Ich habe früher etwas getan, wofür ich mich schäme. Dann will ich nicht, dass wir darüber in der Analyse sprechen. So versuche ich bewusst oder unbewusst zu verhindern, auf dieses Thema zu sprechen zu kommen. Zum Beispiel kann ich mich dann nicht mehr richtig erinnern, ich habe es also „vergessen“ (Verdrängung). Dann kann ich etwas auf den Therapeuten übertragen und ihn z.B. als so streng wie meine Vater erleben. Ich dichte dem Therapeuten dann etwas an, was nicht der Realität des Therapeuten entspricht (Übertragung). Schließlich kann ich meine krankmachenden Symptome wie z.B. Schwindel behalten, wodurch andere mich schonen (sekundärer Krankheitsgewinn).

Es-Widerstand: Beim Es-Widerstand kann ein Wiederholungszwang bestehen. Beispiel: Immer wieder stelle ich unbewusst dieselben unangenehmen Situationen mit ihren unangenehmen Folgen her. Ich klebe an alten Gewohnheiten. Die Psyche ist träge und will sich nicht verändern.

Überich-Widerstand: Der Widerstand, den ich in der Behandlung leiste, geht hier vom Über-Ich aus. Das Über-Ich steht für meine Moral, mein Gewissen. Beim Überich-Widerstand habe ich ein großes Bedürfnis, mich selbst zu strafen. Ich habe dabei ein großes Schuldbewusstsein. Typisches Beispiel: Ich strafe mich für die Weiterentwicklung oder ich verhindere sie sogar, weil mir die Entwicklung Schuldgefühle bereitet (vereinfacht gesprochen: Das Kind will der Mutter keinen Trennungsschmerz zumuten). Das strenge Gewissen (Über-Ich) stellt sich meinen Bestrebungen entgegen. So kommt es, dass man in der Therapie zum Beispiel immer wieder ein Weiterkommen selbst verhindert, weil das Weiterkommen zu Schuldgefühlen führen würde.

Wie äußert sich Widerstand?

Widerstand äußert sich in den verschiedensten Formen, z.B. als Zuspätkommen, Vergessen, das Sprechen über Belanglosigkeiten, Schweigen, überpünktliches Ankommen, Wiederholungen der Themen, Trotz, Agieren usw.

Was ist der Unterschied zwischen Widerstand und Abwehr?

Der Widerstand ist der Abwehr sehr ähnlich. Der Begriff „Widerstand“ bezieht sich jedoch auf die Psychoanalyse/Psychotherapie. Der Patient wehrt sich sozusagen gegen die äußeren Eingriffe des Therapeuten. Bei der Abwehr wehrt man sich gegen innere Regungen. Da kämpfen sozusagen innere Instanzen gegeneinander: Ich wehre z.B. die eigene Wut ab, indem ich sie auf einen anderen projiziere und dann den anderen als wütend wahrnehme. Ich wehre meine Angst ab, indem ich rationalisiere und bagatellisiere. Ich wehre schmerzliche Erinnerungen ab, indem ich sie verdränge. Oft lassen sich die Begriffe „Widerstand“ und „Abwehr“ nicht trennen – das eine ist eng mit dem anderen verknüpft.

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Dieser Beitrag erschien erstmals am 14.12.2013
Aktualisiert am 5.2.2016


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