Wie kann man zu Menschen mit Psychosen einen psychoanalytischen Zugang finden? Zu dieser Frage hat der Psychoanalytiker Joachim Küchenhoff (IPA), Chefarzt der Privatklinik für Psychiatrie Basel-Land in der Zeitschrift „Psychotherapie im Dialog“ (PiD 3/2015, Thieme) einen sehr lesenswerten Beitrag geschrieben mit dem Titel: „Die Suche nach dem Subjekt im psychotischen Erleben.“
Subjektivität herstellen
Die Psychoanalyse möchte dem unbewussten Erleben auf die Spur kommen. Wenn unbewusstes Erleben bewusst wird, wird dem Betroffenen viel klarer, wer er eigentlich ist. Joachim Küchenhoff macht auf die Möglichkeiten des Verstehens bei psychotischen Menschen aufmerksam. Er sagt:
Bei der Behandlung des Psychotikers könne man sich fragen, auf welche Weise der Patient versucht, seine Subjektivität auszudrücken, so Küchenhoff. Beispielsweise könne eine Negativsymptomatik als „Nein-Sagen“ verstanden werden (Küchenhoff, 2013). Küchenhoff verweist auf Sigmund Freud, der bereits 1911 beschrieb, wie abgewehrte homosexuelle Wunschregungen zu Wahn führen können (Freud 1911, S. 299. ff, siehe unten). Natürlich kann hieraus nicht die Gleichung folgen „Abwehr homosexueller Wunschregungen führt zu Wahn“, aber es ist ein Beispiel dafür, wie die Psyche funktionieren kann und wie sich Wahn manchmal verstehen lässt.
Damit ein Mensch etwas Unerwünschtes abwehren kann, muss er ein „Ich“ haben. Küchenhoff betont, wie wichtig es ist, „in besonderer Weise zu(zu)hören, was uns die Patienten sagen könnten.“ Dabei sollte der Therapeut Phantasieräume zur Verfügung stellen und Zusammenhänge herstellen.
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Links:
Freud, Sigmund (1911):
Analytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia paranoides).
In: Sigmund Freud: Gesammelte Werke in 18 Bänden mit einem Nachtragsband.
Hrsg.: Freud A, Bonaparte M, Bibring E et al.
Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, 1946, GW X: 263-304
(siehe auch Projekt Gutenberg)
Küchenhoff, Joachim (2012):
Psychose
Psychosozial-Verlag, Gießen, 2012
Küchenhoff, Joachim (2013):
Der Sinn im Nein und die Gabe des Gesprächs.
Velbrück-Wissenschaft, Weilerswist, 2013