Die seelischen Kräfte, die als Kind auf uns einwirkten, waren ungeheuerlich. Später kann man es nicht sehen, was da einwirkte, aber man kann es fühlen. Man kann sich überwiegend beschädigt oder überwiegend gesund fühlen. Ebenso wie man die Liebe weder fühlen noch messen kann, so kann man das „Ich“ nicht erfassen. Aber es ist da. Und seine Kräfte sind auch da. Wir spüren sie, wenn wir mit uns selbst kämpfen oder wenn wir wieder einmal so handeln, wie wir es gar nicht wollen. (Text & Bild: © Dunja Voos)
Kampf und Ruhe
Wir spüren die Kräfte, die auf uns eingewirkt haben, wenn wir alleine dastehen und uns unter Druck fühlen. Wenn die Einsamkeit kommt, weil wir spüren, dass die Angst vor Kontakt und Beziehung zu groß ist, um mit anderen zusammen sein zu können. Da ist eine tiefe innere Verzweiflung, die die früheren Kräfte, die von außen kamen, in uns hinterließen. Die Kraft von außen konnte mit unseren inneren Kräften nicht richtig umgehen: Die Eltern ließen uns vielleicht schreien oder taten uns Gewalt an. Die äußeren Kräfte waren oft nicht abgeglichen mit den inneren Kräften. Und da wurden die Schäden gesetzt. Da jedoch, wo das Außen mit dem Innen übereinstimmte, fühlen wir uns kräftig, stimmig, „angemessen“, in Beziehung, in Kontakt, in Liebe.
Unfuck yourself
Auf Twitter, Pinterest, Instagram und Co. gibt es unter dem Stichwort „Unfuck yourself“ wunderschöne Bilder und Sprüche, die zeigen, welche Auswirkungen die Spuren von früher haben können und wie man sich davon wieder befreien kann.
Es ist schwer, aber es ist möglich
Wenn wir sagen: „Ich kümmere mich um mich“, dann merken wir, dass es da sozusagen „zwei Ichs“ gibt – eines, das so reich bearbeitet wurde und ein ursprüngliches, das unbeschädigt blieb. Das ist da und das spüren wir auch. Auch wenn wir uns betrinken, überessen, zerstreiten, anschreien, bekämpfen, entwürdigen, tätowieren lassen, operieren lassen, kleinmachen lassen. Es liegt nur unter der eingedellten Hülle. Wir müssen uns nur daran erinnern, dass es da ist und es da sein lassen.
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