„Da muss jetzt unbedingt etwas passieren, so kann es nicht weitergehen. Was soll ich tun?“ Nichts. Manchmal einfach nichts. Oder sogar öfter mal nichts. Wir kommen so oft in Bedrängnis, weil wir ständig das Gefühl haben, dass wir aktiv etwas tun sollen. Wir wollen immer sofort reagieren. Im Rechtsstreit, bei medizinischen Problemen, bei psychischen Beschwerden. Schlimmer noch: Wir wollen nicht nur sofort reagieren, wir wollen sogar verhindern, dass etwas passiert. Doch so kann sich nichts entfalten. (Text & Bild: © Dunja Voos)
Kennenlernen, warten und schauen
Gerade in der Psychoanalyse entdecken die Menschen häufig unerwünschte Gefühle, die sie sofort wieder loswerden wollen, nachdem sie sie entdeckt haben. Viele stehen unter einem enormen privaten und beruflichen Druck. Das drängt zum Handeln. Doch wer sofort handelt, kann nicht kennenlernen, was da eigentlich los ist. In der Psychoanalyse kann man lernen, die Dinge erst einmal wahrzunehmen und sich mit ihnen vertraut zu machen. Unerwünschte Gefühle wie Hass, Angst, Schmerz und Neid oder schwer erträgliche Erinnerungen kann man zusammen mit dem Analytiker anschauen und verstehen. Impulsen muss man nicht gleich nachkommen, sondern man kann erst einmal schauen, was sie bedeuten.
Die entscheidenden Dinge entstehen ohne Druck
Vieles erledigt sich von selbst – wie eh und je. Viele entscheidende Dinge geschehen nur in Abwesenheit von Druck. Kreativität braucht Freiraum ebenso wie das Träumen. Besonders das vegetative Nervensystem, das ja eng mit den Gefühlen zusammenhängt, braucht Freiraum. Verdauung klappt nur im entspannten Zustand, ebenso wie das Einschlafen. Wir machen uns vieles kaputt, wenn wir uns ständig dazu veranlasst sehen, sofort etwas zu machen. Achten Sie einmal darauf, wie oft Sie im Alltag zum Handeln gedrängt werden – von allen möglichen Leuten. Besonders aber treibt man sich selbst viel zu oft unter Druck an.
Wer öfter einmal damit experimentiert und abwartet, der wird sehen, wie sich vieles ohne Handeln löst. Wir müssen nicht immer machen. Wir können viel öfter einfach mal abwarten und den Dingen ihren Lauf lassen. Die Dinge entwickeln sich viel seltener zu einer Katastrophe, als wir so annehmen.
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Dieser Beitrag erschien erstmals am 14.3.2015
Aktualisiert am 3.6.2016