Dass psychodynamische Langzeittherapien bei Depressionen helfen, ist bekannt. Doch bisher war nicht ganz klar, ob die Wirksamkeit der Langzeittherapie auf die psychoanalytischen Techniken oder auf die höhere Anzahl der Sitzungen zurückzuführen ist. Johannes Zimmermann und Kollegen (Universität Kassel und andere) schauten sich die Frage genauer an. Sie verglichen die hochfrequente psychoanalytische Therapie mit einer niedrig frenquenten psychodynamischen Therapie. Außerdem untersuchten sie die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT, cognitive-behavioural therapy) bei Depressionen.
Welche „inneren Objekte“ gibt es?
Die Wissenschaftler befragten die Patienten zu ihren Symptomen und zwischenmenschlichen Problemen. Auch untersuchten sie, welchen Introjekten die Patienten innerlich nahestanden. (Unter „Introjekten“ oder „Objektrepräsentanzen“ versteht man die „guten oder schlechten inneren Figuren (Objekte)“ – z.B. kann die Erinnerung an den „bösen Vater“ so ein Introjekt sein. Wer sich selbst gut behandelt, der denkt dabei vielleicht an die gute Tante, die immer liebevoll mit einem umging. Die Tante ist dann ein „gutes inneres Objekt“/ein „gutes Introjekt“.) Die Befragungen fanden direkt vor und nach der Behandlung statt. Weitere Nachbefragungen wurden ein, zwei und drei Jahre nach der Behandlung durchgeführt. Die Wissenschaftler untersuchten, welche psychoanalytischen Techniken die Analytiker anwandten, indem sie pro Behandlung drei Audio-Aufnahmen auswerteten. Hierzu nutzten sie das „Psychotherapie-Prozess-Q-Set“.
Symptome, zwischenmenschliche Beziehungen und die innere Welt verbesserten sich
Die Teilnehmer, die eine psychoanalytische Therapie erhielten, gaben an, dass sie nach der Therapie weniger zwischenmenschliche Probleme hatten. Sie behandelten sich selbst liebevoller und ihre depressiven Symptome hatten ebenfalls abgenommen. Bis zum Zeitpunkt der Nachbefragungen nahmen diese Verbesserungen sogar noch zu. Solche lang anhaltenden Effekte konnten die Wissenschaftler bei den Patienten, die psychodynamisch oder mittels Verhaltenstherapie behandelt worden waren, nicht feststellen.
Sowohl Sitzungszahl als auch Technik spielen eine Rolle
Die Verbesserungen im zwischenmenschlichen Bereich und die Zugehörigkeit zu verschiedenen Introjekttypen veränderte sich hauptsächlich durch die höhere Anzahl an Sitzungen, so die Forscher. Die weitere Verbesserung der depressiven Symptome in den Nachfolgeuntersuchungen führten die Forscher hingegen eher speziell auf die psychoanalytischen Techniken zurück.
Auch fanden die Forscher heraus, dass sich infolge der psychoanalytischen Techniken auch in der Nachuntersuchungszeit die Introjektzugehörigkeiten noch weiterhin verbesserten. Zu den psychoanalytischen Techniken gehörten die Untersuchung von Träumen, Phantasien, sexuellen Erfahrungen und Kindheitserinnerungen.
Quelle:
Zimmermann, Johannes et al. (2015):
Is It All about the Higher Dose?
Why Psychoanalytic Therapy Is an Effective Treatment for Major Depression
Clinical Psychology & Psychotherapy
Volume 22, Issue 6, pages 469–487, November/December 2015
Article first published online: 4 SEP 2014
DOI: 10.1002/cpp.1917